"RW kommt zurück"

Jetzt hat es mich als auch einmal getroffen. Während ich in der letzten Saison 200 Stunden in der Luft war und nicht mal einen platten Reifen hatte (von einer ausgefallenen Vakuumpumpe in severe VMC mal abgesehen), durfte ich beim fünften Start in der Saison das fliegerische Können anwenden.

Am vergangenen Samstag war Absetzdienst mit der Cessna C206 in Walldürn geplant. Nach dem Überführungsflug und zwei Absetzflügen wurde das Wetter so schlecht, dass an weiteres Springen nicht zu denken war. So wurde die Maschine abgestellt um auf besseres Wetter zu warten. Nach etwa zweieinhalb Stunden klarte es auf. Jedoch war schon der Großteil der Springer nach Hause gegangen, weswegen beschlossen wurde, die Maschine nach Hause zu bringen. Flieger gecheckt und auf geht´s zum Rollhalt. Der Runup (Magnetprobe und Governor), verliefen ohne Auffälligkeiten. Auf die Piste 24 und Takeoff mit 35 Inch Ladedruck, sowie 2600 RPM. Ohne Auffälligkeiten. Im Querabflug, etwa 400 ft über dem Boden, auf 30 Inch Steigleistung reduziert (normaler Ladedruck bei Absetzvorgängen ist 35 Inch). Keine zwei Sekunden später, Drehzahlverlust von über 1000 RPM. Die Zylinderkopftemperaturen und die EGT stiegen binnen Sekunden auf über 500 Grad an. Nach der obligatorischen „Schrecksekunde“ dachte ich schon an einen totalen Ölverlust, was aber dadurch entkräftet wurde, dass Öldruck und Öltemperatur im normalen grünen Bereich war. Ich entschied mich nach kurzer Analyse zur Rückkehr auf den Platz mit dem Funkspruch „RW, kommt wieder zurück. Habe hier oben ein paar technische Probleme“. Mir wurde von Walldürn Info direkt die 06, also die Gegenrichtung zur Startpiste 24 angeboten, die ich ohnehin angeflogen wäre. Aufgrund dem vorherrschendem Seitenwind war keine Rückenwindkomponente zu erwarten. Nach der 180 Grad Drehung konnte ich den Flugplatz in Relation zu meiner Position nicht sofort ausmachen, weswegen ich mir schon einen Acker (Davon gab es unter mit genug) zur Außenlandung ausgesucht habe, sollte das Triebwerk komplett ausgehen. Ich bin, trotz der grünen Anzeigen, immer noch von Ölverlust ausgegangen (Der Propellerregler sog. Governor und der Propeller selbst sind erst vor wenigen Flugstunden komplett ausgetauscht worden).

Der Anflug wurde so gut wie ohne Leistung durchgeführt. Steile und enge Kurven, da ich über den verlängerte Mittelinie hinausgeflogen bin um Höhe abzubauen. Wäre ich direkt zur Landung gekommen hätte ich sehr steil und mit viel Überfahrt anfliegen müssen. Ich war der Einzige an Bord, die Maschine entsprechend leicht und bei hoher Geschwindigkeit hätte ich die Cessna nicht auf den Boden bekommen. Ein Durchstarten wäre dadurch nicht zu vermeiden gewesen, was ich aber unter allen Umständen vermeiden wollte. Die Landung war dann aber doch die beste des Tages!

Nach dem Abrollen führte ich direkt einen Test des Governors durch: 1800 RPM und den blauen Hebel ziehen, bis ein Drehzahlabfall erkennbar war. Keinerlei Probleme! Alle Anzeigen im grünen Bereich! Das Flugzeug wurde abgestellt und direkt den zuständigen Fluggerätmechaniker angerufen. Nachdem ich mit Ihm geredet hatte, entschlossen wir uns dazu, das Triebwerk wieder zu starten und einen erneuten Probelauf durchzuführen. Wieder konzentrierte ich mich nur auf den Propellerregler. Nichtsdestotrotz ist mir der raue Motorlauf und die hohe TIT aufgefallen. Nach dreimaligen „feathern“ des Propellers, kam der Magnetcheck. Kaum war der Zündschlüssel von „Beide“ auf „Links“ gedreht, ging das Triebwerk plötzlich aus – Es scheint, als hätte sich der eine Zündmagnet komplett verabschiedet.

Natürlich war es nicht möglich, das Flugzeug so nach Lachen-Speyerdorf zu überführen. Ein Hallenplatz wurde vom ansässigen Verein jedoch sofort zu Verfügung gestellt.

Eine Erfahrung die man nicht jeden Tag braucht, aber dennoch sehr wertvoll ist. So kam ich aber in den Genuss endlich einmal in einer DA40 TDI als Passagier mit zu fliegen, da ich dann mit der genannten nach Lachen-Speyerdorf eingeflogen wurde.

 

EDIT 22.06.2015:

Laut Aussage der Werft ist ein Zahnrad im Zündmagneten übergeschlagen bzw. so verrutscht, dass der Zündfunke zu früh abgegeben wurde. Somit gab es Frühzündungen im Triebwerk was den Drehzahlabfall (Verringerung der Drehzahl) und die hohen Temperaturen im Triebwerk erklären.

Das Triebwerk selbst (Wellen, Zylinder etc.) hat nichts abbekommen. Es ist seit März, mit ausgetauschtem Magneten, schon weit über 50 Stunden geflogen. Keinerlei Probleme oder Auffälligkeiten. Der originale Magnet ist vor einigen Wochen bei einer 200 Stunden-Kontrolle wieder eingebaut worde. Sie läuft wunderbar.


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